CFP: Models and Modelling, Archiv für Mediengeschichte

The Archiv für Mediengeschichte is one of the crown jewels of contemporary research on the history, theory, and philosophy of media. It seems to me that journal success sometimes means a sort of bureacratization and neutralization of its identity--more submissions arrive from afar, peer reviewing procedures start sifting out the most idiosnycratic texts, etc--but the Archiv has maintained and even enhanced its mission & identity for a decade or so now. The CFP for the next issue on "Models and Modelling" just came out. I bet it'll be a great issue and it's a great opportunity to publish in an exciting venue.

 

Deadline: Apr 30, 2014

Die nächste Ausgabe des "Archivs für Mediengeschichte" wird sich der
Frage nach dem Status sowie nach der Funktion von Modellen in
wissenschaftlichen, gestalterischen und künstlerischen Prozessen widmen.
Ausgangspunkt ist die Annahme, dass der Modellgebrauch und die Verfahren
der Modellierung einen wesentlichen Anteil haben an der Begründung und
Kodierung von Entscheidungsprozeduren, die für die Verfertigung
unterschiedlicher – szientifischer, experimenteller, historischer,
poietischer – Wissensformen maßgeblich sind. Mit ihrem Operieren
zwischen Abstraktion und Anschauung, Analyse und Synthese,
Evidenzerzeugung und Ausblendung sind Modelle und verwandte Figuren wie
Muster (ital. modello), Pläne, Blaupausen oder Prototypen spezifische
Akteure, an denen sich die logische, funktionale oder ästhetische
Konsistenz epistemischer Ordnungen und der damit verbundenen
Repräsentationsweisen bemisst. Sie machen somit einen 'Eigensinn'
geltend, der von der medialen, symbolischen und materiellen
Beschaffenheit jeweiliger Modelltypen abhängig ist und aus verschiedenen
Perspektiven erfasst werden kann. Beiträge für diese Ausgabe des
"Archivs für Mediengeschichte" sollten sich an den folgenden,
grundlegenden Fragestellungen orientieren.

Eine erste Frage gilt dem epistemischen Status von Modellen in
unterschiedlichen Verwendungszusammenhängen. Modelle leiten oder
begründen die Bildung wissenschaftlicher Hypothesen, sichern
darstellerische Evidenz, regulieren Konsensbildung, strukturieren
experimentelles Probehandeln, situieren sich in einer Grauzone zwischen
Faktizität und Fiktion. Sie fassen disparate Erkenntnisleistungen in
kohärente Darstellungsformen zusammen oder figurieren als Prolepsen bzw.
'Vorahmung' für die Strukturierung ungesicherter und offener
Wissenshorizonte. Mit ihrem demonstrativen Charakter können sie als
Agenten für die Variation und Negation, für die Bestärkung und
Verwerfung, für die Innovation oder Normalisierung von Wissensbeständen
fungieren. Und sie leisten damit einen wesentlichen Beitrag für die
Erprobung – vergangener oder künftiger – Wirklichkeiten.

Ihre pragmatische Dimension wird zweitens durch die Art ihrer
Materialität gewährleistet. Modelle verkörpern sich in Stilen,
Vorschriften, Experimenten, Ausdrucksformen aller Art. Ihre Gestalt wird
durch jene Techniken, Medien und Verfahren bestimmt, mit denen sie ihre
repräsentative Kraft sichern. Die Modellierung geschieht mit
sprachlichen und bildnerischen Mitteln, mit symbolischen Operationen,
mit Algorithmen, mit kognitiven und handwerklichen Praktiken. Die
Verfertigung von Modellen erscheint selbst als ein umstandsbedingtes
Bewerkstelligen, dessen Parameter vom Einsatzbereich, vom
Gegenstandsgebiet und von den an die Modellbildung gerichteten
Anspruchsprofilen dirigiert wird – vom Architekturmodell bis zur
Computersimulation, vom Gedankenexperiment bis zur theoretischen
Modellierung komplexer Zusammenhänge und Prozesse.

Ein dritter und wesentlicher Aspekt betrifft die Dimensionierung von
Modellen. Damit sind nicht nur Fragen der Skalierung und des Maßstabes
gemeint, also Fragen, die etwa die Verkleinerung makroskopischer und die
Vergrößerung mikroskopischer Größenordnungen, Projektions- und
Abbildungsverfahren, die Reduktion mehrdimensionaler Darstellungen oder
das Verhältnis von räumlichen und temporalen Repräsentationsweisen
betreffen. Vielmehr müssen Modelle als Artefakte begriffen werden, die
etwas mit bestimmten Mitteln von etwas für etwas transportieren (cargo)
und dabei höchst kritische Grenz- und Trennlinien passieren. Mit ihnen
stellen sich Übersetzungsprobleme aller Art: zwischen verschiedenen
Disziplinen, von unübersichtlichen Realitäten zur Modellform, von
Modellen zu diversen Anwendungsbereichen, von theoretischen Annahmen zu
praktischen Funktionszusammenhängen, von disparaten Daten zu
gesetzmäßigen Prozessen, von ungleichen Darstellungsmilieus zu analogen
oder ähnlichen Strukturen.

Ein besonderes Augenmerk soll viertens der Modellierung zeitkritischer
Prozesse gelten, wie sie in verschiedenen – naturwissenschaftlichen,
sozialwissenschaftlichen, ökonomischen oder allgemein historischen –
Arbeitsgebieten herausgefordert werden. Dabei steht die modellhafte
Fassung von Entwicklungsprozessen, von Veränderungen und
Transformationen, von Krisen und außerordentlichen Begebenheiten, von
erwartbaren oder wahrscheinlichen Verlaufsprofilen auf dem Spiel. Hier
ist danach zu fragen, mit welcher Informationssicherheit vergangene
Ereignisserien auf künftige Prozessformen projiziert werden können,
welche prognostischen Qualitäten damit verknüpft sind, wie strukturelle
Instabilitäten mit homöostatischen Ordnungsfiguren gefasst werden,
welche Allgemeingültigkeit iterative Algorithmen beanspruchen können.

Schließlich und fünftens steht mit der Frage nach der repräsentativen
Kraft von Modellen in unterschiedlichen Kontexten auch die Grenze
modellhafter Darstellung selbst zur Diskussion. Die Qualität von
Modellen ist nicht zuletzt von der Art und vom Ausmaß reduktiver und
abstraktiver Verfahren abhängig. Und wenn die Modellbildung allgemein
als Operation des Komprimierens und Subsumierens, mithin als
Intervention eines 'Ockham'schen Rasiermessers' begriffen werden kann,
so rücken zugleich Zonen in den Blick, in denen die determinierende bzw.
deterministische Macht von Modellen spezifische Verfehlungspotentiale
generiert. Dies betrifft nicht nur jene Herausforderungen, wie sie etwa
Turbulenzen oder chaotische Prozesse für eine modellartige Fassung
darstellen; die Verfertigung von Modellen muss vielmehr selbst als ein
Vorgang betrachtet werden, der sich mit der bedingten Haltbarkeit, mit
der fortlaufenden Revision, mit der nie abschließbaren Anpassung,
Abänderung, Verwerfung und Innovation von Modellfiguren konfrontiert.

Um die Einsendung von Themenvorschlägen einschließlich Abstracts (bis zu
2.500 Zeichen) wird bis zum 30.4.2014 an folgende Adresse gebeten:

dorothea.walzer@hu-berlin.de

Die ausgearbeiteten Beiträge (bis zu 30.000 Zeichen) sollen bis zum
31.8.2014 bei der Redaktion eingehen.

Weitere Informationen zum Archiv für Mediengeschichte unter:
http://www.uni-weimar.de/de/medien/forschung-und-kunst/archiv-fuer-mediengeschichte/

Die Herausgeber
(Friedrich Balke, Bernhard Siegert, Joseph Vogl)